Spring ins Wasser, wenn du schwimmen lernen willst.

Das kleine 1×1 der Komparserie – die Checkliste für Komparsen.

Nach knapp 10 Monaten und mehreren Händen voller spannender Komparsen-Jobs ist es an der Zeit von meinen Erlebnissen zu berichten.

Und wenn auch du gerne mal hautnah am Filmset dabei sein möchtest werden dir die folgenden Erfahrungen die ich gemacht habe weiterhelfen.

Anmeldung in einer Agentur

Alles beginnt mit einer ausführlichen Anmeldung bei einer Komparsenagentur – meine erste Anlaufstelle war vor gut einem Jahr bei „Im OFF“ in Hamburg – über meine allererste Dreh-Erfahrung in einer Disco kannst du hier lesen: Unauffällig auffallen.

Neben meinen Kontaktdaten, ausführlichen Infos zum Aussehen und persönlichen Fähigkeiten wie Sport werden weiterhin auch noch Fähigkeiten bzgl. Sprachen, Instrumente, Tanz und Gesang abgefragt. Am Ende der Anmeldung vereinbart man einen Termin um in der Agentur Fotos von sich machen zu lassen, damit alle Komparsen einheitlich und professionell in der Kartei aufgenommen werden können. 

Damit es letztendlich auch losgehen kann, sollte man den persönlichen Kalender im Profil immer up to date halten, also Kreuzchen setzen an welchen Tagen man verfügbar ist.

Verfügbar heißt in diesem Fall den ganzen Tag, von morgens früh bis spät abends. Falls du nur bis 18 Uhr Zeit hast, solltest du dir überlegen was für dich mehr Priorität hat, denn bei einer Drehanfrage ist das Ende meist „offen“.

Ein absolutes „No Go“ wäre beispielsweise bei Drehbeginn zu horchen wann denn circa Feierabend ist. Das könnte dann nämlich schon dein letzter Dreh gewesen sein. 

Die erste Anfrage

Aber jetzt erst einmal zu den wichtigsten Dingen, wenn man dann eine Anfrage von der Agentur erhält – dann heißt es „YEAH – die Produktion hat sich für dich entschieden und du sollst Teil des Drehs sein!“ Um Final dabei sein zu können solltest du die Anfrage schnellstmöglich bestätigen. Das bedeutet im Umkehrschluss auch regelmäßig Nachrichten und Emails zu checken, damit keine Anfragen durchrutschen. 

Und dann heißt es abwarten bis man meist 1-2 Tage vor dem Dreh konkrete Infos zum Ort, Uhrzeit, Gage, Szene bzw. Situation, Kostüm bzw. Styling erhält.

Alle Drehinfos sind selbstverständlich vertraulich zu behandeln, das heißt nicht nur vor Drehstart und danach, sondern auch während des Drehs über die sozialen Netzwerke Infos zum Dreh preiszugeben. 

Sobald mir die konkreten Infos zum Dreh vorliegen schaue ich direkt nach wo genau gedreht wird, damit ich meine Anfahrtszeit kalkulieren kann um pünktlich bzw. 15 Minuten früher vor Ort bin. 

Der Drehtag

Ich komme zu Drehterminen immer gerne etwas früher damit man schon mal das Team kennenlernen kann und sich beim Aufnahmeleiter abharken lassen kann. Und überhaupt, ich liebe die Atmosphäre am Set. Meistens stimme ich mich dann auch schon mit dem Kostüm ab, welches Outfit am besten für die Szene geeignet ist. Nehmt immer genügend Outfits mit und schaut genau was im Stylingbriefing, welches man per Mail vorab erhält, gewünscht ist. Beispielsweise ist Kleidung mit Logos, Prints oder viel Glitzer nicht gewünscht. 

Die meisten Drehtage beginnen für mich meist früh morgens und dann ist ein tolles Catering mit Frühstück aufgebaut. So verlockend es auch ist, ich halte mich persönlich zurück und lasse das Team in Ruhe frühstücken. Am Tee und Kaffee kann man sich hingegen meist gerne bedienen. Wartet aber ohnehin bis es ein offizielles „go“ vom Team gibt.

Wenn sich die Komparsen dann alle gesammelt haben gibts von der Film Crew bzw. dem Komparsenbetreuer den Abrechnungsschein. 

Damit nach Drehschluss alle schnellstmöglich nach Hause gehen können ist es von Vorteil diesen auch sofort auszufüllen.

Bei dem üblichen Abrechnungsschein handelt es sich um einen „Befristeten Arbeitsvertrag“.

Damit ihr schon mal vorab wisst welche Infos ihr parat haben solltet ist hier eine Übersicht:

Kontaktdaten

Krankenkasse

Sozialversicherungsnummer

Steuer-Identifikationsnummer

IBAN + BIC

Status (Azubi, Student, Arbeitnehmerin, Arbeitslos etc.)

Es lohnt sich definitiv diese Angaben vorab gebündelt zu notieren, damit man den Vertrag fix ausfüllen kann. 

Die Probe

Jetzt wird’s endlich spannend – pünktlich angekommen, Vertrag ist ausgefüllt, Kostüm wurde abgenommen, Smartphone auf Flugmodus und nun geht’s vor die Linse.

Jeder bekommt eine genaue Anweisung was er zu tun hat bzw. wohin er laufen muss.

Ein wichtiger Hinweis – versucht euch eure Bewegungen genau zu merken, denn Szenen werden in mehreren Kamera Einstellungen gedreht, sodass der Hintergrund je nach Kameraperspektive gleichmäßig bleibt bzw. der gleiche Bewegungsablauf immer eingehalten wird. Hier geht es um die sogenannte Continuity.

Und BITTE

Und dann ertönt das bekannte „UND BITTE“ vom Regisseur, der Dreh startet, absolute Ruhe, Fokus auf die die Schauspieler, die als einzige sprechen dürfen und die Komparsen sind auf Position um das Hintergrundbild zu vervollständigen. Ich habe mich während der Aufnahme leider mal an einem Blatt Papier geschnitten und hätte am liebsten kurz aufgeschrien! Dann heißt es Pokerface und weiterspielen!

Pause

Eine Einstellung wird meistens 2-3 Mal gedreht bis alles sitzt und die Aufnahme als „gestorben“ deklariert wird. 

Um alles für die nächste Einstellung einzurichten ist viel Geduld gefragt. Teilweise vergehen Stunden bis man wieder dran ist. Am besten ihr nehmt euch ein gutes Buch mit, welches ihr in den Pausen lesen könnt. Und bitte setzt euch als Komparse nicht auf die Klappstühle am Filmset, diese sind nämlich für die Regisseure und Schauspieler in den Pausen vorgesehen.

Bei meinen aktuellen Drehs lese ich das Buch „Wiedersehen im Café am Rande der Welt“ und bin über folgende Zeile gestolpert, die mich inspiriert hat das kleine 1×1 der Komparserie als Checkliste für Komparsen mit euch zu teilen:

„Du wirst nie lernen zu surfen, wenn du nicht ins Wasser gehst.“

Happy End

Und dann wird die letzte Filmklappe zugeschlagen und ein hoffentlich erfolgreicher und reibungsloser Drehtag geht zu Ende. 

Bis man die gedrehten Aufnahmen dann Online oder im Fernsehen sehen kann, können einige Monate bis zu einem Jahr vergehen.

Kannst du dir vorstellen mal als Komparse in einem Film mitzuwirken oder warst du schon einmal dabei und hast weitere Tipps für meine kleine Checkliste?

Ich freue mich sehr auf deinen Kommentar!