Das 3-monatige Vorsemester an der Schule für Schauspiel in Hamburg.

Maske auf. Klappe zu.

Nach 4 Monaten voller Spannung und Erwartung war es endlich soweit!

Seit April 2018 habe ich die Chance an der Schule für Schauspiel in Hamburg (SfSH) das Vorsemester zu absolvieren.

Parallel zur Arbeit widme ich mich von April bis Juni von Di-Do jeweils ca. 3 Stunden dem intensiven Schauspieltraining.

Ein intensives Körper/Tanz-, Sprech/Atem- und Schauspieltraining sind für die nächsten drei Monate ein fester Bestandteil meines Alltags.

Der erste Tag

Alles beginnt mit dem Wiedersehen von drei wundervollen Menschen, mit denen ich bereits an dem 4-tägigen Orientierungskurs teilgenommen habe, das Wiedersehen war einfach wunderbar.

Kribbeln im Bauch von der ersten Minute an. Schon vor dem Eintritt in den Kurs-Saal fand ein reger Austausch statt – eine sympathische Konfrontation extravertierter Menschen. Man trifft auf Gleichgesinnte.

Insgesamt besteht unser Team aus 18 Köpfen. Bestimmt viel zu groß, das haben wir zumindest zunächst gedacht. Aber es ist tatsächlich eine sehr geeignete Größe für die bevorstehenden Übungen und Rollenspiele.

Und nach den ersten beiden intensiven Wochen sind wir schon ein eingespieltes Team, wie ich finde.

#behindthescenes

Wenn wir den Kursraum betreten, treten wir über eine sogenannte „Schwelle“ um uns innerlich absolut von dem was außerhalb der Schauspielschule stattfindet bzw. was uns beschäftigt freizumachen.

Wir betreten diesen Arbeitsraum also mit freien Gedanken, damit wir uns bestmöglich auf die Aufgaben der Dozenten einlassen können.

Dabei spielt ebenfalls die körperliche Durchlässigkeit eine besondere Rolle.

Dass mit der körperlichen Durchlässigkeit mag vielleicht jetzt noch nicht so verständlich sein, aber das wird sich noch aufklären.

Unser Kennenlernen

Unsere erste Woche begann mit einigen Kennenlern-Übungen wobei mich eine Übung ganz besonders fasziniert hat.

In einem Sitzkreis sollte sich jeder vorstellen, aber bevor man selbst etwas über sich sagen konnte waren erst einmal alle anderen Kursteilnehmer gefragt und hatten die Chance etwas über mich zu sagen – welche Hobbies ich wohl habe, wie mein Charakter ist, Lieblingsfarbe, Leidenschaften etc. je nachdem was einem eben in den Sinn kommt, wenn man mich anschaut.

Das war eine sehr überwältigende Erfahrung, wie mich meine Mitmenschen wahrnehmen und was sie über mich denken.

Alleine durch diese Übung konnten wir uns innerhalb weniger Minuten sehr intensiv kennenlernen und viel übereinander erfahren.

Aufwärmübungen

Maske auf. Klappe zu. Als Aufwärmübung gehen wir alle querbeet durch den Raum je nach Anweisung zu unterschiedlichen Geschwindigkeiten (1-10), jedoch ohne zu rennen, formen innerhalb weniger Sekunden Kreise oder Linien oder wir tun uns zu zweit zusammen und ahmen den Gang des Partners nach.

Am schnellsten wird uns jedoch warm, wenn wir uns zur Musik bewegen sollen.

Dabei sollen wir nicht „klassisch“ tanzen sondern den Köper vollkommen von der Musik leiten lassen, sich absolut den Klängen hingeben und diese entstehenden Emotionen in Bewegungen reflektieren.

Diese Erfahrung hat mir nicht nur gezeigt wie befreiend ein Tanz nach unterschiedlichen musikalischen Rhythmen ist, sondern auch, dass man diese Emotionen neben der Gestik auch über die Mimik widergespiegelt werden kann.

Komisch darf es dann natürlich auch aussehen.

Von Scham ganz zu schweigen, denn von dem verabschiedet man sich bereits nach dem ersten Schritt über die „Schwelle“ in den Raum.

Der Monolog

Neben dem intensiven Körper- und Schauspieltraining lernen wir mittwochs alles rund ums Sprechen und Atmen. Unsere erste Hausaufgabe war es einen Monolog für die nächste Stunde mitzubringen.

Gar nicht so einfach, wenn man bedenkt, dass wir mit diesem Monolog die kommenden drei Monate arbeiten werden.

Die nächsten Wochen bleiben definitiv sehr spannend, denn zu den Unterrichtsschwerpunkten gehören Bühnenpräsenz, Ausstrahlung, Improvisation und Imagination.

Zu guter Letzt teile ich den Monolog mit dir, den ich selbst verfasst habe:

FACETIME

Immer schneller, weiter, besser.
Immer erreichbar.
Ping.
Zu wenig Zeit.
Ping.
Das Smartphone bleibt nicht still.
Ping.
Ständige Ablenkung.
Ping.
Flugmodus.
Stille aushalten.
Wie ist es nur so weit gekommen.
Das frage ich mich seitdem mein kleiner Bruder ein Smartphone hat.
Er war damals erst 9 Jahre alt.
Mit 9 Jahren ein Smartphone.
Unbegreiflich.
Dieser schnelle Wandel.
Mit 14 Jahren hatte ich mein erstes Handy, keine Farbe, keine Kamera, aber jede Menge Gummi drum herum.
Es musste einfach nur standhalten. Nicht kaputtgehen.
Schick? Nein, das brauchte es nicht sein.
Es gab wichtigeres als ein Handy in der Hand.
Freunde treffen.
Das war damals verbindlich nach der Schule vereinbart.
Unzählige Telefonnummern kannte man auswendig.
Immer draußen unterwegs.
Und bis mindestens 18 Jahren war ich alles andere als trendig gekleidet.
Aktuelle Trends können die Kleinen jetzt auf ihrem Tablet in der Wiege mitverfolgen.
Die Digitalisierung bringt viel mit sich.
Vor allem Veränderung.
Und viele neue Möglichkeiten.
Ich blicke gern in die Zukunft.
Was wohl noch alles auf uns zukommen mag.
Diese Ungewissheit.
Ein Rückblick ist vertraut.
Denn was uns bleibt sind Kindheitserinnerungen.
Generationen über Generationen.
Was muss nur meine Mutter denken?
Ich rufe sie einfach mal wieder an um sie wiederzusehen:
Facetime.

Wie ist dein erster Eindruck?

Ich freue mich sehr auf deinen Kommentar!