Filmacting an der Schule für Schauspiel in Hamburg.

Alles nach dem Motto: Weniger ist mehr. Halbzeit. Einfach unglaublich wie schnell das langersehnte Vorsemester an der Schule für Schauspiel in Hamburg voranschreitet.

Wochenlange Vorfreude und nun stecke ich mitten drin! Nach ca. 6 Wochen hatten wir statt des regulären Schauspiel-/Tanz-/Sprech-Unterrichts eine zweitätige Filmacting Einheit.

Der erste Tag

Die Reise in die Filmwelt begann mit ein paar wichtigen Basisinfos bevor wir dann selbst vor die Kamera durften.

Unser Kamera-Acting Dozent Julian Müller hat uns zunächst mit den unterschiedlichen Kameraeinstellungen vertraut gemacht und uns verdeutlicht welche Unterschiede es zwischen einer Rolle im Theater und einer Rolle im Film gibt.

Weniger ist mehr

Passend dazu hat er uns das Buch „Weniger ist mehr“ von Michael Caine empfohlen, welches ich anschließend nahezu an einem Stück inhaliert habe – an dieser Stelle ein großes Dankeschön für die Leihgabe, liebe Tanja.

Hier sind ein paar Zitate aus dem Buch, die ich ganz hilfreich finde:

„Wenn Sie in einem Film einen Schauspieler beim Spielen ertappen, macht er etwas falsch.“

„Die Großaufnahme fängt die kleinste Unsicherheit auf und vergrößert sie.“

„Der moderne Filmschauspieler weiß, dass echte Leute im echten Leben alles daransetzen, ihre Gefühle nicht zu zeigen.“

„Die Kamera liebt Sie. Sie hört alles was Sie sagen, und nimmt alles auf, was Sie tun, egal wie unauffällig.“

„Im Film ist es die Reaktion, die jedem Moment seine Kraft verleiht.“

„Für einen Bühnenschauspieler, der zum Film wechselt, ist die überraschendste Lektion, die er lernen muss, diese: Vom ersten Tag an nicht nur seinen Text zu beherrschen, sondern auch in eigener Regie zu bestimmen, wie dieser Text gesprochen werden soll.“

Mit den ersten Infos rund um die Schauspielerei vor der Kamera im Gepäck ging es dann los und wir durften selbst ran.

Die erste Aufnahme

Wir sollten uns 5 Minuten Zeit nehmen um uns auf eine Emotion einzustimmen. Die Emotion sollten wir dann jederzeit mit Hilfe eines „Triggers“, also einer persönlichen Erfahrung die diese Emotion auslöst, abrufen können.

Für diese Aufnahme wurde als Kameraeinstellung der close-up genutzt.

Die Kameraaufnahme wurde live auf einen Fernseher übertragen, um im Anschluss direkt Feedback von seinen Kollegen zu erhalten.

Zunächst war jeder von uns einmal alleine dran, jeder hatte zwei Takes.

Ich hatte mir als Emotion Trauer vorgenommen. Wer mich kennt, der weiß das ich keine typische Heulsuse bin. Ich wollte mich der Herausforderung trotzdem stellen.

Mit Hilfe meines „Triggers“ sollte es dann hoffentlich klappen.

Und dann sitze ich da. Direkt vor der Kamera im close-up, meine lieben Schauspielkollegen sitzen gespannt vor dem Fernseher und nehmen mich unter die Lupe. Das löst schon alleine eine ziemliche Achterbahnfahrt der Gefühle aus. Ich liebe Achterbahnfahrten.

In meiner ersten Aufnahme habe ich als das entscheidende „und bitte“ kam schon direkt angefangen zu heulen. Der Trigger hat die Emotion Trauer zwar hervorgerufen, allerdings musste ich nun lernen wie stark ich ihn zu gewünschten Zeitpunkten zulasse um Tränen auch bewusst zurückhalten zu können.

Am Ende der beiden Aufnahmen war es dann erst einmal geschafft und dann ist es wichtig, sich auch von der Emotion zu lösen.

An diesem Tag haben wir alle sehr viel gelernt, vor allem das kleinste Emotionen von der Kamera eingefangen werden.

Der zweite Tag

Am zweiten Tag hatten wir dann die Aufgabe unsere Emotionen mit einem Partner vor der Kamera in einem kurzen Rollenspiel abzurufen.

Den Dialog durften wir selbst gestalten, Hauptsache unsere beiden Emotionen kommen beide zu tragen. Meine Spielpartnerin hatte Wut und Enttäuschung als Emotion.

Wir haben uns als Szene ein Mutter-Tochter Gespräch vorgenommen, in dem ich als Tochter ihr als strenge Mutter beichten muss, dass ich eine Prüfung wieder nicht geschafft habe.

Over-shoulder shot

Die Takes wurden so aufgezeichnet, dass immer nur eine Person im close-up zu sehen war, der Gegenüber saß direkt neben der Kamera – ein typischer over-shoulder shot. So konnte ich meiner Spielpartnerin in die Augen sehen und war trotzdem in einer Großaufnahme der Kamera. In das richtige Auge schauen – sie sitzt links von der Kamera, also schaue ich mit meinem linken Auge in ihr rechtes, damit wende ich mich mehr der Kamera zu. Es sind kleine Nuancen die viel bewirken. Von meiner Spielpartnerin war lediglich ein bisschen Schulter und Kinn zu sehen um dem Zuschauer auch einen echten Spielpartner zu zeigen.

Bei der Aufnahme war der Dialog jedoch nicht ausschlaggebend für meine gezeigten Emotionen, sondern vielmehr ein sogenannter Subtext der sich parallel im Kopf abgespielt hat um den Trigger zur richtigen Zeit auszulösen.

Oder wie es Stanislawski in Worte fasst „Acting is the ability to live truthfully under imaginary circumstances.”

Parallel zum Buch „Weniger ist mehr“ gibt es auch einen sehr guten Ausschnitt von Michael Caine auf YouTube.

Zu guter Letzt noch einen allerbesten Dank für die Fotos liebe Laura, die du während des Filmactings von mir aufgenommen hast.

Welche Rollen findest du spannender – die auf der Bühne im Theater oder vor der Kamera im Film?

Ich freue mich sehr auf deinen Kommentar!